3D-Druck: Erfahrungen nach einem Jahr

2020 ist der Elegoo Mars Pro 3d-Drucker bei mir eingezogen. Nun wird es Zeit für meine ersten 3D-Druck Erfahrungen nach einem Jahr. Ein Bericht von Freude und Frust.

Wo soll der Drucker stehen?

Da ich mir wegen der Gesundheitbelastung unsicher war und den Drucker lieber in unserem Schuppen betreiben wollte, habe ich mit den ersten Drucken bis ca März gewartet und ihn Dank milder und wärmerer Temperaturen bis Oktober dort betrieben. Das hat wunderbar geklappt, zumal ich die Drucke im Sommer gleich in die Sonne zum Aushärten legen konnte. Der Ort ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber wir haben keinen Keller und sonst nur bewohnte Räume, in die ich den Drucker nicht stellen wollte. Eine sinnvolle Variante für den Winter hatte ich allerdings nicht. Resin braucht aber mehr oder weniger Raumtemperatur um vernünftig aushärten zu können, so dass ich in den kalten Monaten nicht drucken konnte.

Da ich zuletzt erhebliche Probleme mit den Drucken hatte und nicht wusste ob es an den Temperaturen oder anderen Problemen lag, dadurch viele geplante Drucke nicht fertigstellen konnte, die ich aber haben wollte, entschied ich mich dann doch dafür, es im Haus zu versuchen.

Elegoo Aktivkohlefilter 3d Druck Amazon
Elegoo Aktivkohlefilter

Als geeigneter Raum wurde unser Gästebad ausfindig gemacht, da es ein Fenster hat, wenig genutzt wird und vollständig gelüftet werden kann ohne dass jemand daneben sitzen muss. Außerdem habe ich bei Amazon zwei Aktivkohlefilter von Elegoo (Werbelink) gefunden, die einen Teil der Ausdünstungen binden sollten, Sie funktionieren per Akku und können mit USB-Kabeln geladen werden. Laut Rezensionen ist das mitgelieferte Kabel miserabel verarbeitet (potenzielle Brandgefahr!), weshalb ich gleich auf ein altes von mir zurückgegriffen habe. Die Filter habe ich dann während des Drucks unter der Haube des Druckers positioniert.

Außerdem habe ich geruchsarmes Resin von 3D-Jake angeschafft. Bisher hatte ich das Standardresin von Elegoo verwendet, mit dem ich zwar total zufrieden bin was den Druck betrifft, das allerdings wirklich unangenehm riecht – auch im gut gelüfteten Schuppen ist der Geruch noch Stunden später wahrnehmbar.

Neues Resin muss her!

3D Jake Transparentes Resin Color Mix Resin
Transparentes Resin
Transparenter Resindruck

Nun habe ich transparentes Resin von 3D-Jake ausprobiert. Vom Geruch bin ich begeistert. Es ist schon beim Druck im Raum nur wenig bemerkbar und bei geöffnetem Fenster von mir nicht mehr festzustellen. Der Punkt war für mich sehr wichtig um die Akzeptanz der restlichen Familienmitglieder für Papas Hobby nicht zu strapazieren. Von transparentem Resin an sich bin ich nicht der größte Fan, da das Druckergebnis nur bedingt erkennbar ist.

Auch wenn der Druck super geklappt hat und sauber aussieht muss man die Figur erst grundieren um alle Details erfassen zu können. Eventuelle Drucknasen der Supports muss man deshalb sehr gründlich ausfindig machen und vorsichtig entfernen – das geht mit grauem Resin auf jeden Fall einfacher. Man kann wohl nicht alles haben. Oder kann jemand graues, geruchloses Resin empfehlen?
Das Drucken funktioniert so für mich auch im Haus, allerdings bevorzuge ich es nach wie vor außerhalb und mache es auf diese Art nur wenn ich mir einbilde, dass es jetzt unbedingt sein muss.

Leichtere Nachbearbeitung – Man macht sich’s einfach!

Anycubic Wash & Cure 3D printer Ebay Tabletop printing
Anycubic Wash & Cure frisch ausgepackt

Für die Nachbearbeitung nach dem Druck habe ich mir den Anycubic Wash and Cure (Werbelink) besorgt. Dabei handelt es sich um ein Geärt, optisch dem Drucker sehr ähnlich, das das Waschen und Aushärten übernimmt. Beide Schritte sind unumgänglich und müssen ansonsten per Hand und mit UV-Lampe übernommen werden. Das ist zwar kein Problem, ich hatte den Wash and Cure allerdings spottbillig gefunden und mich dafür entschieden um noch etwas Zeit und Aufwand zu sparen.

Die Drucke kommen direkt vom Drucker in den Waschbehälter mit Isopropanol. Praktisch ist, dass man auch die Elegoo Druckplatte gleich einhängen kann und die Drucke daher zunächst nicht anfassen muss. Am Boden des Waschbehälters befindet sich ein magnetisch angetriebener Propeller, der die Flüssigkeit aufwirbelt und dadurch die Drucke wäscht. Alle 30 Sekunden wechselt der Propeller die Richtung, so dass eine Spülwirkung erreicht werden sollte. Anschließend tauscht man den Waschbehälter aus gegen eine runde, durchsichtige Platte, auf die die Drucke gelegt werden und die sie anschließend unter UV-Bestrahlung dreht. Auf diese Weise können die Drucke in Ruhe aushärten.
Mit dem Gerät bin ich super zufrieden. Ob man es braucht muss jeder für sich selbst entscheiden. Zum ursprünglich aufgerufenen Preis hätte ich es sicherlich nicht gekauft, für 70 Euro fand ich es aber okay.

Wie steht’s um die Dateien?

Ich habe mich mittlerweile mit einem Haufen Druckdateien eingedeckt. Überraschend viel Brauchbares habe ich einfach auf Thingiverse gefunden, andere Files habe ich auf den einschlägigen Plattformen erstanden und zwei Kickstarter habe ich gebackt. Von Patreon habe ich mich in dem Bereich ferngehalten, weil das erfahrungsgemäß ein Fass ohne Boden für mich wird und ich auch so schon mit meinem Pile of Shame nicht hinterher komme. Einen Kickstarter möchte ich hervorheben: Den Last World – Dinosaurs Kickstarter, der mir einen reichhaltigen Fundus an Dinos beschert hat. Da Dinos bei uns wegen meines Sohnes ohnehin gerade ein großes Thema sind, nehme ich den Motivationsschwung gleich mit und verwirkliche ein langersehntes Jurassic Park-Projekt. Aber dazu später mehr 🙂

Die Velociraptoren warten geduldig auf Nachbearbeitung und Bemalung
Diverse Füße und Beine fehlen. Rechts die Figur hats komplett zerlegt.

Super nervig waren fehlerhafte Drucke nach einem problematischen Update des Druckers. Ich hatte mehrere kaputte Drucke und hatte viele mögliche Ursachen, die nach und nach ausgeschlossen werden konnten. Im Endeffekt waren schlecht gesetzte Supports das unerwartete Problem, da ich übergangsweise auf eine ältere Chitubox-Version umgestiegen war und nicht wusste, dass die Supports dort schlechter gesetzt wurden. Das war Lehrgeld, aber ich bin heilfroh das Problem gefunden zu haben. Jetzt klappt alles wunderbar.

Fazit nach einem Jahr

Was ist nun mein Fazit nach mehr oder weniger einem Jahr? Mir machts total viel Spaß, aber es ist definitiv mit viel Arbeit verbunden. Ich verstehe jeden, der sagt, dass man sich mit dem 3D-Druck ein weiteres Hobby anschafft und nicht einfach nur mal eben ein paar Figuren druckt. Das Drucken und Reinigen ist viel Arbeit und das Suchen, Kaufen und Vorbereiten der Dateien kostet auch Zeit. Für mich geht definitiv Hobbyzeit flöten, die ich dafür nicht zum malen hatte. Das wusste ich vorher und für mich ist das in Ordnung, man sollte aber nicht mit falschen Erwartungen ans Drucken gehen. Ich freue mich jedenfalls darauf bald hier die ersten bemalten Drucke zu präsentieren!

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