Tarzan

Beim Gedanken an ein Lost World-Projekt fiel mir neben den obligatorischen Dinos, Entdeckern und King Kong auch Tarzan ein. Tarzan ist einer dieser seltenen Fälle, bei denen ich überhaupt gar keine Verbindung zu einer popkulturell bedeutsamen Figur haben. Zeit, das mal ein bisschen aufzuarbeiten!

Vorlage

Tarzan kennt jeder, oder? Wilder Mann im Dschungel, der an Lianen schwingt und laute Rufe ausstößt. Manche von uns haben noch die Disney-Version im Sinn, aber bei den meisten hört es dann auch schon auf. Dabei ist die Vorlage schon 90 Jahre alt und war in vielen Medien überaus populär.

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Angefangen hat alles 1912, als Edgar Rice Burroughs die erste Tarzan-Story “Tarzan bei den Affen” in einem Pulp Magazin veröffentlichte. Diese erste Geschichte bildet immer noch die Basis sehr vieler Neuinterpretationen über die Jahrzehnte.

Tarzan ist eigentlich Sohn eines britischen Lords, der nach seiner Frau ebenfalls im Dschungel verstirbt. Das Waisenkind wird von einer Affenmutter adopiert und großgezogen. Es hat kein Bewusststein seines Menschseins, ist den anderen Affen aber körperlich unterlegen. Dennoch trainiert ihn das Großwerden unter Affen nach menschlichen Maßstäben außerordentlich, so dass er ein starker, athletischer junger Mann wird. Als Kind entdeckt er das alte Haus seiner Eltern und wird sich seiner Andersartigkeit bewusst. Auf der Suche nach seiner Identität beschäftigt er sich mit den Gegenständen und lernt nach und nach sich selber kennen. Begegnungen mit wilden Tieren, kannibalistischen Eingeborenen und die Auseinandersetzungen innerhalb des Affenrudels härten ihn ab. Begegnungen mit freundlichen Menschen, die er teilweise aus gefährlichen Situationen rettet, machen ihm die menschliche Seite vertraut, bringen ihm Sprache und Schrift bei. Schließlich entdeckt er eine schöne Frau, Jane Porter. Den Rest der Handlung kann man sich denken.

Falls man Tarzan noch nicht kannte, dann kennt man zumindest das Dschungelbuch und findet bereits zahlreiche Parallelen. Das “Wolfskind”, das unter wilden, aber gutmütigen Tieren aufgezogen wird, ein Leben in der Natur kennt und in der Zivilisation viel Schlechtes findet. Zunächst ist die Zivilisation fremd und spannend, aber je weiter man hineingerät, desto mehr engt sie die Freiheit ein. Es gibt Konventionen und Erwartungshaltungen, Vorurteile und Rassismus. Das Zwischenmenschliche ist schwierig zu deuten und zu lernen.

In diesen Geschichten scheint der Reiz des Natürlichen zu liegen und die Zivilisationskritik mag auch manchen Lesern gefallen. Doch wo Kipling sein Dschungelbuch mit beißener Kritik am Kolonialismus spickt, schreibt Burroughs voll und ganz für Pulp-Magazine mit seinen klassischen Themen – es soll in erster Linie unterhalten.

Wer genauer reinschauen möchte: Die Tarzan-Romane sind kürzlich wieder als neunbändige Reihe aufgelegt worden.

Comic

Tarzan fand ab 1929 auf den Sonntagsseiten von Zeitungen eine zusätzliche Heimat. Diese ausgesprochen populäre Veröffentlichungsweise ermöglichte ihm viele weitere Abenteuer und eine größere Verbreitung. Zum Erfolg der Comics dürfte beigetragen haben, dass die ersten Geschichten von keinem geringeren als Prinz Eisenherz-Erfinder Hal Foster gezeichnet wurden. Sein langjähriger Nachfolger Burne Hogarth definierte die Figur anschließend in einer spektakulären Dynamik weiter, die die Comicgeschichten vollends zum eigenständigen, populären Medium machten. Auch heute noch sind Nachdrucke dieser Geschichten erhältlich.

In den letzten Jahren kam es zu einer Renaissance klassischer Fantasygeschichten in Comicform, die auch Tarzan einschloss. So ist im Splitter-Verlag eine tolle Neuinterpretation im großen Albenformat erschienen, die absolut empfehlenswert für all diejenigen ist, die die Geschichte kennenlernen wollen, aber keine Lust auf die Romane haben.

Geschrieben von Christophe Bec und spektakulär gezeichnet von Stevan Subic, hält sich dieser Comic nah an die Vorlage und bietet raue und düstere Dschungelatmosphäre, gepaart mit einer einfühlsamen und zutiefst menschlichen Begleitung von Tarzans Weg zur Selbsterkenntnis.

Eine Leseprobe findet sich wie immer auf der Verlagsseite von Splitter: Zur Leseprobe.

Filme

Ebenso wie Romane und Comics gab es natürlich auch Verfilmungen in Hülle und Fülle. In der IMDB sind 200 “Tarzan”-Titel gelistet, wobei die nicht alle tatsächlich mit dem Stoff zu tun haben dürften. Es gibt aber mindestens ein paar Dutzend mehr oder weniger bekannte Verfilmungen, die wahrscheinlich durch die Darsteller in erster Linie bekannt sein dürften. Erwähnenswert sind Elmo Lincoln als allererster Tarzan-Mime (1918!), Johnny Weissmüller als sicherlich bekanntester und Lex Barker als darüber hinaus bekanntester Schauspieler. Auch jüngere Verfilmungen waren mit Christopher Lambert, Travis “Ragnar Lodbrok” Fimmel oder Alexander Skarsgard durchaus populär besetzt.

Johnny Weissmüller war ursprünglich Schwimmer und brach als erster Mensch den Rekord, 100m in unter einer Minute zu schwimmen. Nach Beendigung seiner Sportkarriere, war er der erste Mensch, der aufgrund seiner athletischen Leistungen für einen Hollywoodfilm gecastet wurde: Tarzan, der Affenmensch (1932)

In den 1930ern und 40ern brachte Weissmüller es auf Sage und Schreibe 12 Tarzan-Filme, bevor er schließlich aus Altersgründen ausgetauscht wurde. Ihm folgte dann Lex Barker, der noch nicht als “Old Shatterhand” bekannt war und es auf 5 Dschungelauftritte brachte.

Unbedingt erwähnenswert ist der Film Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen von 1984. Wir sehen Christopher Lambert mit seinem Durchbruch auf der Leinwand, bevor er zwei Jahre später mit Highlander so richtig durchstartet. Andy McDowell gab mit dem Film ihr Leinwanddebut. Gestandene Charakterdarsteller wie Sir Ralph Richardson und Sir Ian Holm gaben dem Film Seriösität. Regisseur Hugh Hudson hatte zuvor mit “Die Stunde des Siegers” bei den Oscars abgeräumt und auch mit Greystoke einen mehrfach nominierten Film erschaffen. Der düstere, realistische Ansatz hat nicht mehr viel mit den frühen Filmen gemeinsam und wollte der Romanvorlage gerecht werden.

Sehr populär und ein großer kommerzieller Erfolg wurde dann 1999 natürlich der Tarzan-Film von Disney. Ihn habe ich bislang noch nicht gesehen, aber den Soundtrack von Phil Collings hat man natürlich mitbekommen.

Als bislang jüngste Version erschien 2016 Legend of Tarzan von David Yates mit Alexander Skarsgard in der Hauptrolle. Ich fand ihn visuell sehenswert, darüber hinaus aber uninteressant. Bemerkenswert finde ich aber, dass ausgerechnet diese zeitgenössische Version wegen Rassismus problematisiert wurde.

Miniaturen

Es sind natürlich viele Miniaturen erhältlich, die Tarzan in mehr oder weniger heroischen Posen darstellen. Ein paar davon habe ich sogar, setze sie aber nicht als Tarzan ein. Meine Miniatur von Taylor aus Planet der Affen z.B. ist aus einem Tarzan umgebaut. Für meinen eigenen Tarzan habe ich mich dann für das Set “Lord of the Jungle” von North Star Figures entschieden.

Enthalten sind Tarzan, Jane, Affe Cheetah und ein Junge (keine Ahnung, wir Tarzans Sohn heißt…). Mit den Miniaturen von Affe und Junge habe ich andere Pläne, fand Cheetah aber trotzdem sinnvoll und habe deshalb eine andere Affenminiatur genommen.

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