Reise in die Verlorene Welt

Ein Herzensprojekt beginnt nun, das ich schon lange vorhabe: Eine Reise in die Verlorene Welt inkl. Dinos, Schlangen, Rieseninsekten, einer höchstwissenschaftlichen Expeditionstruppe und weiterem. Vielleicht begegnet man im Dschungel auch einem gigantischen Gorilla? Ich bin richtig gehyped, da dieses Projekt eine ganze Menge coolen Zeugs aus Film/Fernsehen/Literatur/Comics/… ermöglicht.

Die Verlorene Welt

Arthur Conan Doyle kennt man vor allem als Schöpfer von Sherlock Holmes. Er war ein produktiver Autor und hat darüber hinaus noch sehr viel mehr geschrieben, das man in Deutschland großteils kaum kennt. Am ehesten dürfte hierzulande sein Roman “Die vergessene Welt” bekannt sein, der den Auftakt zu einer Buchreihe um den cholerischen Professor Challenger bildet. Im Original heißt der Roman “The Lost World” und wurde mit der genaueren Übersetzung “Die verlorene Welt” auch schon in Deutschland vertrieben. Wieso man “vergessen” für besser hält als “verloren” erschließt sich mir nicht. 1912 erschienen avancierte Challenger durch dieses Buch schnell zur zweiten populären Figur neben Detektiv Holmes.

Die verlorene Welt ist in erster Linie ein Abenteuerroman, den man aber auch der Science-Fiction zurechnet. Versteht man Science-Fiction als ursprüngliche Form einer Geschichte, die sich auf Basis von Wissenschaft mit dem Ausloten und Überschreiten bekannter Grenzen beschäftigt, dann handelt es sich sogar eher um einen Science-Fiction-Roman. Stilistisch und inhaltlich reiht er sich wunderbar ein in vergleichbare Werke Jule Vernes’ oder auch H.G. Wells’. Ich kannte zwar das Thema und hatte auch eine lose Serienadaption teilweise gesehen, kannte bislang aber den Roman noch nicht. Das wollte ich anlässlich meines Projekts dringend nachholen und bestellte mir kurzerhand das Buch.

Viele Optionen gibt es bei so einem alten Buch nicht – derzeit ist offenbar nur eine deutsche Übersetzung auf dem Markt. Wie so oft bei Klassikern vertreibt der Anaconda-Verlag eine spottbillige Ausgabe. Einfach gemacht und sicherlich nicht neu übersetzt, erfüllt es aber genau seinen Zweck – zumal ich bei solchen Geschichten ohnehin eine ältere Übersetzung bevorzuge. Manchmal sind diese ja etwas hölzern oder umständlich und bedienen sich einer “altbackenen” Sprache, die aber eben hervorragend in die Zeit passt. Oft trägt das zur Atmosphäre bei.

Die überlebenden Dinosaurier

Die Geschichte der “verlorenen Welt” ist schnell umrissen: Nach einer Kontroverse unter Wissenschaftlern macht sich eine Expedition auf den Weg nach Südamerika. Prof. Challener will dort während einer früheren Expedition ein bislang unbekanntes Plateau entdeckt haben, auf dem Dinosaurier bis heute überlebt hätten. Das glaubt ihm in England natürlich niemand, so dass es nun eine Expedition zum Gegenbeweis geben soll. Teilnehmer sind von einer Versammlung ausgewählte Personen, darunter der angesehene und draufgängerische Lord John Roxton sowie Professor Summerlee – der größte Kritiker von Prof. Challenger. Held des Romans ist der Reporter Malone, aus dessen Sicht berichtet wird. Auch er begleitet die Expedition und seine Augenzeugenberichte stellen große Teile des Romans dar.

Natürlich stimmten die Berichte von Challenger und die Expedition begegnet schließlich Dinosauriern auf dem verborgenen Plateau. Bis dahin ist allerdings gut die Hälfte des Romans vergangen und die wenigen Begegnungen sind eher vage beschrieben. Als Erklärung wird die Theorie aufgestellt, dass durch Erdbeben und Verschiebung der Kontinentalplatten vor Urzeiten dieses Plateau gewissermaßen in den Himmel gehoben wurde und sämtliche Lebewesen darauf vom Rest der Welt abgeschnitten wurden. Dadurch fand auf dem Plateau eine ganz eigene Evolution statt – oder sie blieb eben aus. Es leben dort nämlich nicht nur Dinos und andere Urzeittiere sondern auch primitive Menschen. Science-Fiction eben.
Unsere Expeditionsgruppe hat natürlich viele Abenteuer zu bestehen und nicht alle Teilnehmer werden zurückkehren. Letztendlich schaffen es die Helden allerdings und können Prof. Challengers Berichte in England bestätigen und den Ruf retten. Klassische Story, Happy End.

Wie hat’s mir gefallen?

Mir hat die Geschichte gut gefallen, da sie keinesfalls so naiv daher kam, wie ich es erwartet hatte. Man merkt, dass Doyle zu diesem Zeitpunkt bereits den Großteil der Sherlock Holmes Geschichten geschrieben hatte und ein gestandener Autor war. Die Charaktere sind interessant, wenn auch klischeebehaftet. Besonders gefallen hat mir die Schilderung der eitlen, streitsüchtigen Professoren. Wie bereits erwähnt, besteht fast die Hälfte des Buches aus Vorgeschichte, die mir aber sogar besser gefallen hat als die eigentlichen Erlebnisse auf dem Plateau. Während der Anfang nämlich eine anschauliche Entwicklung der unterschiedichen Motivationen und der wissenschaftlichen Kontroverse ist, ist der Rest natürlich naive Fiktion.

Ich habe das Buch in erster Linie aus Interesse an den Dinosauriern gelesen, wobei ich natürlich wusste, wann es geschrieben wurde. 1912 war der Forschungsstand zum Thema Dinosaurier noch ziemlich rudimentär. Die allermeisten heute bekannten Arten waren damals noch nicht entdeckt oder systematisiert. Folglich werden im Buch nur wenige Arten wie der Iguanodon konkret beschrieben. Die Beschreibung fällt allerdings auch ziemlich oberflächlich aus und ist zwangsläufig mit viel Fantasie angereichert. Für den Dinofan ist kein Erkenntnisgewinn dabei, allerdings kann man so immerhin lesen, wie man sich vor 100 Jahren Dinos vorgestellt hat.
Negativ ist außerdem aufgefallen, dass die einzige Frau im Buch nur ganz am Rand vorkommt und für die Handlung nicht relevant ist. Unser heldenhafter Reporter stürzt sich nämlich nur deshalb in dieses Abenteuer um dieser Frau zu imponieren – sie wünscht sich einen mutigen Mann! Die Frau ist also klassisches Love Interest. Zum Glück bleibt uns eine Romanze aber immerhin erspart.

Die Urzeitmenschen werden natürlich als primitive Wilde dargestellt. Da Doyle sich aber auch (teilweise!) als Kritiker des zeitgenössischen Kolonialismus betätigte, war ich an der Darstellung interessiert. Wenigstens gelingt die Flucht vom Plateau nur aufgrund eines Hinweises eines “Wilden”.

Die verlorene Welt in Film und Fernsehen

Der Roman hat einige Adaptionen für Film und Fernsehen erlebt. Sie weichen alle aber mehr oder weniger vom Buch ab. Die meisten nehmen nur das Grundthema und konzentrieren sich auf Action oder exotische Begegnungen. Wahrscheinlich erscheint der Roman aufgrund seines starken Fokus auf Wissenschaft als zu behäbig für eine werksgetreue Umsetzung.

Bemerkenswert ist die erste Verfilmung von 1925: The Lost World von Harry O. Hoyt. Der Stummfilm kann als relativ werkgetreu gelten, war aber vor allem mit ihren Spezialeffekten bahnbrechend. Für diese war niemand geringeres als Tricktechnik-Pionier Willis O’Brien verantwortlich – später erschuf er die spektakulären Spezialeffekte für King Kong und die weiße Frau. The Lost World kann in dieser Hinsicht als vorbereitende Arbeit gelten. Da der Film mittlerweile Public Domain ist, kann man ihn frei auf Youtube ansehen. Interessant ist, dass Arthur Conan Doyle ganz zu Beginn des Films zu sehen ist. Gewissermaßen eine Adelung dieser Verfilmung:

Es existieren verschiedene Schnittfassungen. Diese hier ist synchronisiert. Ich hatte ihn zuvor auf Amazon Prime als Stummfilmvariante gesehen, in der Texttafeln in die Dialoge gefügt sind.
Ca. ab Minute 33 lohnt sich ein Blick auf mehrere Minuten Dinosaurier. Die Kämpfe sehen für die technischen Möglichkeiten tatsächlich ziemlich gut aus!

Es gab einige Verfilmungen mehr, die aber alle nicht besonders erwähnenswert sind. Interessant ist allenfalls, dass sie in der Regel den Wissensstand ihrer Zeit über Dinos spiegeln. So agieren die Dinos im Film von 1992 anders als im Film von 1925, können aber immer noch als dümmlich gelten. Steven Spielberg war nur ein Jahr später mit Jurassic Park schon ganz anderer Ansicht. Der Fokus aller Verfilmungen (auch der Serie) lag wenig überraschend auf der Darstellung exotischer Tiere und Schauplätze und dem Überleben von Menschen in der Wildnis.

Pulpige Nachbarn: Auf nach Caprona!

Die Reise in die verlorene Welt fand natürlich viele Nachahmer und Ableger. Gerade im Filmbereich gibt es einige legendäre Streifen, die sich der Grundkonstellation bedienen: Menschen (Wissenschaftler/Soldaten) geraten durch Unwetter/verborgene Passage/Missgeschick/… in ein verborgenes Land und begegnen Dinos und anderen schrecklichen Gestalten. Einer der bekanntesten Filme dieser Art dürfte Caprona – Das vergessene Land von 1975 sein. Dieser ist allerdings ganz und gar nicht eine simple Kopie, sondern basiert seinerseits auf einer völlig eigenständigen Romanvorlage. Nur wenige Jahre nach Doyle hat niemand geringeres als Tarzan-Schöpfer Edgar Rice Burroughs mit der Caspak-Triologie ein ähnliches Szenario erschaffen. Bei ihm befindet sich das “Land that time forgot” allerdings in der Arktis. Kann es Zufall sein, dass zwei Autoren, die prägende Figuren der Popkultur erschaffen haben, nebenbei Expeditionen in vergessene Dino-Reiche erdachten? Keine Frage: Dinosaurier waren schon immer Kult!

Die Caprona-Bücher habe ich diesmal nicht gelesen, aber natürlich den relativ bekannten Film gesehen (Werbelink). Wir reden hier natürlich erneut nicht von einem Meisterwerk, aber jeder, der diese Bücher liest oder diese Filme sieht, weiß ja, worauf er sich einlässt. Zum Thema Caprona sagt das Cover des Films eigentlich schon alles, was man wissen muss. Mit Doug McClure spielt ein recht bekannter Schaupsieler mit, der auch in einer Fortsetzung und dem noch trashigeren Ableger Der sechste Kontinent noch mehr oder weniger überzeugen konnte.

Caprona ist tatsächlich ziemlich schaubar, wenn einem bewusst ist, dass man einen Abenteuerfilm aus den 70ern bekommen wird. Auch hier sind die interessanten Szenen natürlich die mit Action und Animation. Auch für Caprona gilt: Die Effekte sind ziemlich gut. Leider spielen Dinos nur eine sehr nebensächliche Rolle und es geht in erster Linie um die Konflikte innerhalb der Protagonistengruppe und mit den “Wilden”.

Auf in den Dschungel!

Was hat das denn jetzt alles mit meinem Projekt zu tun? Die Dino-Forschung zeigt deutlich, dass die Art und Weise wie wir unsere Umwelt wahrnehmen auch unser fantastisches Denken bestimmt. Wir stellen uns Dinosaurier gemäß unserer Sichtweise der gegenwärtigen Tierwelt vor. Entsprechend spiegeln Romane, Filme, Bilder, Comics auch die aktuelle Vorstellungswelt wieder. Die Idee, auf irgendeine Art auf einen prähistorischen Ort auf der Erde zu stoßen, hat offenbar eine große Anziehungskraft. Nicht ohne Grund war dies immer wieder Gegenstand von Kunst. Sogar Jurassic Park behandelt dieses Thema. Einziger Unterschied: Der Mensch hat diesen quasi-prähistorischen Ort durch Klonen einfach selbst geschaffen.

Als großer Fan solcher Erzählungen und des fantastischen Kinos möchte ich so etwas auch erschaffen. Meine Hommage gewissermaßen. Ich habe bereits viel zu viele Ideen und viel zu wenig Zeit. Die Reise in die verlorene Welt möchte ich natürlich trotzdem absolviern. Ein bisschen Recherche gehört dazu. In diesem Fall macht sie ja sogar wirklich Spaß: Ein paar Klassiker lesen, ein paar Filme gucken, pulpige Bilder anschauen. Im Kopf ergibt das eine spannende Mischung aus allerhand Abenteuerelementen. Wollen wir doch mal sehen, was sich daraus machen lässt!

Den Auftakt zum Projekt habe ich mit den ersten Geländeteilen des Dschungels gemacht. Ein paar mehr Teile fehlen noch, aber im Großen und Ganzen geht das schon in die richtige Richtung. Allerhand Entdecker, Forscher, Abenteurer stehen auch schon bereit. Und last but not least: Ich brauche viele Dinos, große Krabbeltiere, sonstiges bedrohliches Zeugs. Ich würde gerne zeigen, was ich hier alles auf der Werkbank stehen habe, aber wir wollen es ja auch ein bisschen spannend gestalten, oder?

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