7TV: Inch High Spy-Fi

James Bond Crooked Dice Sean Connery

Wolltest du schon immer einmal mit James Bond eine geheime Basis infiltrieren? Mit den Ghostbusters oder Scooby Doo auf Geisterjagd gehen? Als Mad Max durch die postapokalyptische Wüste brettern und verfeindete Krieger mit stacheligem Football-Schutz von ihren Bikes pusten? Oder vielleicht doch lieber Indiana Jones beim Stehlen der Bundeslade von den Nazis helfen? Kein Problem mit 7TV: Inch High Spy-Fi.

Schon oft habe ich das Spiel 7TV von Crooked Dice erwähnt. Mit 7TV kann man die allermeisten populären Filme und Serien als Tabletop-Varianten nachspielen. Es bietet ein Regelkorsett mit flexiblen, generischen Charakteren und Truppen, so dass man es an jedes Szenario anpassen kann, das man sich ausdenkt. Es ist figurenagnostisch, kann also problemlos mit allem gespielt werden was man hat und was einem als Darstellung für das gewünschte Szenario dienen soll.

Mittlerweile gibt es mehrere thematische Boxen zu 7TV, die jeweils andere Filmgenres behandeln. Allgemein wird die ursprüngliche Box “Inch High Spy-Fi” als die flexibelste angesehen, weshalb ich sie mir gekauft habe und hier nun vorstellen möchte.

Die Box

Die Inch 7TV: Inch High Spy-Fi-Box ist das ursprüngliche Grundset der 2. Edition von 7TV. Thematisch ist es bei den Filmen und Serien der 1960er und ’70er angelegt- ein klarer Fokus liegt natürlich auf Spionagefilmen. Man kann allerdings nahezu alle moderneren Szenarien ebenfalls spielen, es gibt regeltechnisch keinerlei Limitierung auf irgendwelche Zeitabschnitte oder Themen. Schauen wir uns die Box genauer an:

Wie alle anderen 7TV-Boxen auch, enthält diese Box die notwendigen Spielmaterialien. Zusätzlich benötigt man lediglich ein Messinstrument in Zoll und natürlich die Miniaturen. Zusätzliche W6-Würfel können auch nicht schaden. Miniaturen sind in den Boxen grundsätzlich nicht enhalten, man kann allerdings auch mit allem spielen was einem passend erscheint. Crooked Dice hat mittlerweile eine große Bandbreite an passenden Figuren mit popkulturellen Bezügen (man betrachte allein schon James Bond und Blofeld auf der Box), es gibt aber auch eine stetig wachsende Zahl anderer Hersteller wie Hasslefree Miniatures, Copplestone Castings, Studio Miniatures oder Tangent Miniatures.

Was ist also drin?

Konkret enthält die Box den Director’s Guide (Regelbuch), den Producer’s Guide (eine Art Quellenbuch um die Casts zusammenzustellen), je einen Stapel Heroes und Villans Profilkarten, einen Stapel Countdown Karten, einen Stapel Gadget Karten, Counter, Marker, Würfel, eine Schablone und einen kleinen Zinn-Maguffin in Form eines Fernsehers.

Alle Teile sind hochwertig verarbeitet, aus festem Hochglanzpapier und Plastik (Schablone) oder Glas (Counter). Die Box selber ist aus sehr stabilem Karton und macht einen wertigen Eindruck. Das Design gefällt mir sehr gut. Es ist überwiegend einfach und übersichtlich gehalten und fügt sich insgesamt schön in das oldschoolige 60’er Jahre Setting ein. Die Bücher enthalten eine Vielzahl szenischer Fotos (von niemand geringerem als Kevin Dallimore), die stark nach Bond-Filmen aussehen und einen direkt passend einstimmen. Einige Randnotizen sind in Form von Zeitungsausschnitten eingestreut.

Die relativ hohe Zahl an Karten wird nicht vollständig im Spiel benötigt. Aus den Profil- und Gadgetkarten wählt man lediglich die aus, die die eigenen Miniaturen im Spiel darstellen, der Rest verbleibt in der Box. Von den Countdownkarten wird dann während des Spiels gezogen. Wie das funktioniert, dazu kommen wir jetzt:

Die Regeln

Im Kern ist 7TV ein klassisches 28mm Skirmish mit 5-10 Miniaturen pro Seite. Wie bereits erwähnt, spielt man keinen echten Konflikt, sondern man befindet sich inmitten der Dreharbeiten einer Fernsehepisode. Die eigenen Miniaturen unterteilen sich daher in “Star”/Hauptdarsteller, “Co-Star”/wichtige Nebendarsteller und “Extras”/Nebendarsteller/Statisten. Die Gruppe ergibt den “Cast”, Fähigkeiten sind “special effects”, besondere Fertigkeiten deiner Stars sind “star qualities”, der Punktwert deines Casts wird gemessen als “rating”, das Spiel an sich wird “episode” genannt und der Spieler, der aktuell an der Reihe ist, ist “on screen”. Diese für das Spiel selbst nicht relevanten Bezeichnungen tragen schön zur Atmosphäre bei. Es lohnt sich tatsächlich, in die Rolle des Produzenten zu schlüpfen.

Die Bewegungs- und Aktionsregeln entsprechen weitestgehend gängigen Skirmish-Regeln. Dabei können die Modelle nahezu frei mit der Umwelt interagieren: Rennen, klettern, schwimmen, Gebäude betreten usw. Die Spieler ziehen nacheinander und handeln jeweils den vollständigen Spielzug ab, bevor der Mitspieler wieder dran ist. Der Zug ist unterteilt in drei Phasen: 1. Countdown Phase, 2. Action Phase, 3. End Phase.

Innovation!

Bei der Countdown Phase kommt eines von zwei innovativen Spielelementen zum Tragen: Die Countdown Karten. Sie unterscheiden sich in “Act One”, “Act Two” und “Finale” und versorgen das Spiel mit der Würze einer dramatischen Fernsehepisode. Dabei symbolisiert der erste Akt den Beginn einer Fernsehepisode, wo es eher um Bewegung und Stellungsspiel geht. In Akt Zwei geht es ans Eingemachte: Die Karten behandeln vor allem Action. Die Finalkarten machen das Ende des Spiel ein Stück weit unberechenbar – Wenn die Helden die gegnerische Basis infiltrieren kann schließlich alles passieren!

Die Karten werden innerhalb ihres Akts gemischt und dann in der Reihenfolge 1-2-Finale verdeckt abgelegt. Die Spieler ziehen zu Beginn der Countdown Phase eine oder zwei Karten oben vom Stapel, wobei in letzterem Fall nur die zweite Karte gespielt und die erste Karte ignoriert und abgelegt wird. Wenn der ganze Countdown-Stapel leer ist, ist das Spiel vorbei. Mit dem Ziehen von zwei Karten kann man also das Spiel beschleunigen und kommt schneller in den zweiten Akt oder das Finale.

Das zweite innovative Spielelement sind die Plot Points. Dabei handelt es sich um ein Punktsystem, das sich vor allem auf die Aktivierungsmöglichkeiten im eigenen Zug auswirkt. Die Modelle auf dem Spielfeld generieren Plot Points, das Ziehen einer Finale-Karte generiert Plot Points, das Gewinnen oder Verlieren des Initiativewurfs vor Spielbeginn generiert ebenfalls welche. Die Anzahl der Plot Points ist also in jedem Zug verschieden. Man stellt die Plot Points z.B. mit den Glassteinchen aus der Box dar und erhält so jeden Zug eine Anzahl, die man nun für Aktivierungen und besondere Aktionen ausgeben kann. Es ist also einem gewissen Zufallselement unterworfen, wie viele Aktionen man pro Zug machen kann.

Und sonst?

Eine schöne Idee finde ich, dass jede Seite einmal im Spiel ankündigen kann “die Szene zu stehlen”. Am Ende des Zuges erklärt man dies und kann unmittelbar einen zweiten Zug anfügen, generiert dafür im folgenden Zug aber weniger Plot Points. Man kann die Szene nicht in der Finalphase stehlen.

Die Special Effects, also die Sonderfähigkeiten deiner Modelle, decken eine riesige Bandbreite ab zwischen Bewegungsvorteilen, Fähigkeiten wie hypnotisieren, spionieren oder reparieren oder natürlich knallharten fighting skills.
Schlussendlich sei noch darauf hingewiesen, dass Gegenstände benutzt und Fahrzeuge gefahren werden können.

Unterm Strich bietet 7TV: Inch High Spy-Fi abwechslungsreiche und witzig-spannende Runden mit simplen Aktionsregeln, die aber sehr viele Möglichkeiten bieten.

Der Producers Guide

Die klassische Armeeaufstellung/Armeeliste wird in 7TV mit der Zusammenstellung des Casts abgehandelt. Die Gesamtzahl aller Stars, Co-Stars, Extras und co ergibt das Rating, das dem das gegnerischen Casts entsprechen muss. Es gibt heroic und villainous casts, aus deren Darstellern man mehr oder weniger frei wählen kann. Heroic Casts tendieren dazu mehr Stars und Co-Stars zu beinhalten, villainous casts haben eher einfache, aber zahlreiche Schläger dabei.

Der Producers Guide führt einen durch die zahlreichen Optionen für die Zusammenstellung des Casts. So kann der heroic cast z.B. vom Actio Hero, dem Flamboyant Agent oder dem Military Mind angeführt werden. Auf der villainous Seite könnte es das Evil Mastermind, der Otherwordly Invader oder der Underworld Boss sein. Die Optionen für Extras schließlich erstrecken sich über mehrere Seiten und bieten von Aliens über Soldaten bis zu Robotern alles was das Herz begehrt.
Die Profilkarten versorgen einen zwar bereits mit spielfertigen Charakteren, man kann aber auch eigene Stars erstellen, die über die gewünschten Eigenschaften verfügen.

Shredders villainous cast

In der zweiten Hälfte des Producers Guides geht es um das Spiel selbst: Wie ist der Spieltisch gestaltet, wo stelle ich meinen Cast auf? Besonderen Pfiff kann man seinen Spielen verleihen, indem man eine bestimmte Episodenart spielt (aka Szenario). Von gewöhnlichen Auseinandersetzungen, über Verfolgungsjageden und Attentate bis zum Raub oder dem Hinterhalt. Je nach Szenario gelten Sonderrgeln und unterschiedliche Bedingungen für den Sieg.

Fazit

Die 7TV: Inch High Spy-Fi Box ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt von 7TV – zumindest der moderneren Settings. Sie ist flexibel anwendbar und man kann bereits eine Menge damit anstellen. Bei Gefallen sind die Ergänzungen auf jeden Fall einen Blick wert. Ich selbst habe bisher nur die Spy-Fi-Box ausprobiert und werde mir definitiv auch Fantasy noch holen.

Günstig sind die Boxen allerdings leider nicht. Die Spy-Fi-Box kostet 50 Pfund, Apocalypse und Pulp 60 Pfund, wobei jeweils lediglich Bücher und Spielmaterialien enthalten sind, keine Miniaturen. Starter Sets sind sie in dem Sinne nicht, da man auf jeden Fall noch Zusatzkäufe machen muss um spielbereit zu sein. Die Boxen sind hochwertig gemacht, toll designed und Qualität für’s Geld, aber sie sind dennoch vergleichsweise teuer. Wer Versand und Versteuerung aus UK scheut, der wird in Deutschland z.B. bei Battlefield Berlin oder Miniaturicum fündig.
Es gibt allerdings Starter Casts zu bestimmten Themen (Action, Army, Mad Science, Aliens,…), die einen mit einem Grundstock versorgen.
Tipp: Bei Crooked Dice kann man die Grundbox gemeinsam mit zwei Starter Casts bestellen und spart in diesem Fall deutlich gegenüber dem Einzelkauf. Die mittlerweile teuren Konditionen für Bestellungen in UK relativieren die Ersparnis natürlich – hier muss jeder selbst abwägen.

Ich halte 7TV für ein geniales Spiel, das meines Erachtens aber viel zu wenig Bekanntheit in Deutschland hat. Sicherlich ist die Sprachbarriere ein Faktor, eine Übersetzung ist aber mit Sicherheit nicht zu erwarten. Sofern euch englischsprachige Regeln nicht stören, freue ich mich, wenn ihr mal reinschaut!

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