Keine Lust mehr auf Zombies

Zum krönenden Abschluss des “Zomtober 2020” und nach der zombieerfahrenen Jill Valentine vor ein paar Tagen, wird es nun Zeit für einige Zombies. Zugegeben: Auch für mich ist das Thema Zombies aktuell völlig ausgelutscht. Gefühlt liegt es vor allem am Hype und Niedergang rund um die The Walking Dead Fernsehserie. Vielleicht liegt es aber auch an der Realität.
Beginnen wir bei den Zombies. Ich hatte schon immer ein Faible für Endzeitgeschichten. Von abgedrehteren Varianten wie Mad Max oder Waterworld bis zu jede Emotion tötenden Realismusdramen wie The Road. Auch die klassischen Genregrößen im Zombiebereich haben mir immer viel Spaß gemacht, allen voran natürlich George A. Romeros Kultfilme. Wie schon öfter angemerkt bin ich eigentlich kein sonderlicher Horrorfan. Die klassischen Zombiegeschichten sind aber eben auch eigentlich Filme, die unsere Gesellschaft und das kapitalistische System spiegeln und kritisieren. Hinter all dem Splatter stecken meistens ernste Anliegen und Botschaften. Das war vor allem in Dawn of the Dead bereits so und es war über zwei Jahrzehnte später in 28 Days Later immer noch so. Die Zombies sind letztlich eine Metapher für jede Form des Zusammenbruchs von Gesellschaften, im kleinen oder global. Was bedeutet das für die Menschen? Was macht es mit ihnen, wenn sie aus ihrem Wohlstand gerissen werden und sich plötzlich völlig autark versorgen und schützen müssen? Wie organisieren sie sich, wenn es keine gesellschaftliche Ordnung mehr gibt? Spannende Fragen, die oftmals wesentlicher Gegenstand der Geschichten sind.

Genau diese Fragen hatten mich auch so an der Comicserie The Walking Dead gereizt. Während manche kritisierten, dass es vor allem im späteren Verlauf der Handlung kaum noch um die Bedrohung durch die Zombies geht, so verfolgt die Reihe für mich eigentlich überwiegend genau die Themen, die mich interessieren: Existenzielle Angst, Verlust und Zusammenhalt, gesellschaftliche und politische Organisation und vieles mehr. Für mich hat die Comicreihe überwiegend eine hohe Qualität und wird auf jeden Fall immer mal wieder gelesen. Die TV-Serie ist leider nach der sehr starken ersten Staffel kontinuierlich abgefallen und hatte nur noch mit dem Auftreten Neagans durch die wahnsinnig packende Darstellung von Jeffrey Dean Morgan gewonnen. Auch das flachte aber schnell wieder ab und irgendwann hat mich die Serie mitten in irgendeiner Staffel verloren. Folgende News, Trailer, Spin-Offs, alles hat nicht mehr interessiert.
Generell muss ich sagen, dass mich das Thema Zombies im Moment nicht mehr anspricht. Wenn es interessante neue Impulse gibt (The Girl with all the Gifts), dann schaue ich mir das noch an, aber eigentlich ist das Thema durch. Spaß gemacht hat einzig Train to Busan. Vermutlich war es der neuartige Ansatz, der die generelle Extremsituation in eine komprimierte Extremsituation gepflanzt hat: Zombieplage in einem fahrenden Zug? Der Zug sollte aber besser nicht stehen bleiben? Viel Spaß! Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Fortsetzung Peninsula, die aktuell bei uns im Kino läuft.

Das Problem mit der Realität. Wie gesagt, Endzeitgeschichten übten in Film, Literatur, Videogaming immer eine große Faszination auf mich aus. Ich mochte z.B. The Crazies von 2010 ganz gern, der ein Remake von George A. Romeros Crazies von 1973 war. Das Remake war ein konservativ erzählter Pandemiefilm, der seine politische Kritik offenbar etwas besser transportierte als das Original (das ich nie gesehen habe, mit dem Romero aber wohl selbst in diesem Punkt nicht zufrieden war). Auch hier waren die Zombies lediglich das Vehikel um das Überleben Einzelner und dann einer ganzen Gesellschaft zu erzählen.
Die Realität hat im Jahr 2020 die Fiktion leider in Teilen eingeholt. Wir haben keine Zombies, aber wir haben Viren. Wir haben gesellschaftlichen Lockdown und Quarantäne. Das soziale Leben kommt teilweise zum Erliegen und Verschwörungstheorien schießen aus dem Boden. Teilweise wird sogar die Bundeswehr im Inneren eingesetzt um bei zivilen Aufgaben zu helfen, da die Behörden überlastet sind.
All das ist nicht apokalyptisch, aber es ist in dieser Dimension völlig neuartig und es stößt an vielen Stellen an die fiktiven Szenarien an. Wenn wir Aufnahmen von überfüllten Krankenhäusern und nahezu kollabierender Gesundheitsversorgung oder von anonymen Massengräbern in Brasilien sehen, dann ist das leider nicht weit entfernt von den seit Jahrzehnten eingeübten Katastrophenbildern aus Filmen. Das ist bittere Realität und zumindest theoretisch sind schlimmere Verläufe denkbar. In Deutschland stemmen sich einige Unbelehrbare mit aller Macht gegen die vermeintliche Zumutung, eine Atemmaske tragen zu müssen. Es ist durchaus denkbar, dass noch ganz andere Einschränkungen notwendig sein könnten und im Zweifelsfall staatlicherseits erzwungen werden müssen. Mögliche Szenarien einer staatlichen Intervention gegen Teile der Bevölkerung zur Eindämmung einer Pandemie sind nicht unrealistisch. Das ist in Literatur, Film, Videospiel leider bereits ausführlich durchexerziert.

Möchte ich mir in diesen Zeiten Fiktion geben, die diese Realität ins Extrem steigert? Der Zustand der Welt im Jahr 2020 schreit nach guten Nachrichten, positiven Entwicklungen und überraschenden Wendungen in die richtige Richtung. Das bedeutet nicht, dass es jetzt nur noch unterhaltsame Geschichten geben muss. Wie gesagt, auf das Zombie-Sequel Peninsula freue ich mich, aber generell unterhalten mich diese Filme derzeit nicht.

Warum habe ich dann doch Zombies bemalt? Erstens hatte ich die Miniaturen da und wollte sie schon lange bemalen. Zweitens hatte ich mit ihnen etwas besonderes vor. Drittens hatte ich mich seit Monaten nicht mehr näher mit irgendeiner Zombiethematik beschäftigt und hatte nicht erwartet, wie wenig mir das im Moment geben würde. Die nun bemalten Figuren sind nur ein kleinerer Teil der Menge, die ich habe. Der Rest muss jetzt aber erstmal warten.
Trotzdem: Für die Umstände können die Figuren nichts. Sie sind von Mantic aus dem Spiel The Walking Dead und kommen entweder mit dem Basisspiel oder als Booster mit einem menschlichen Charakter. Mit der Zeit sammeln sie sich einfach an bis sie eine richtige Horde geworden sind. Mir gefällt, dass sie alle individuelle Posen haben und grundsätzlich charaktervolle Miniaturen sind. Das Spiel ist eine Umsetzung der Comics, nicht der TV-Serie. Die Figuren entsprechen daher den Comic-Designs. Die Zombies sind wirklich gelungen und entsprechen der Vorlage absolut. Ich wollte mit der Bemalung gerne dicht an der Vorlage bleiben, weil ich die Comic-Reihe so mag. Als ich das Tutorial von TWS gesehen habe, in dem diese Zombies ebenfalls “schwarz/weiß” bemalt werden, wusste ich, dass meine genau so aussehen müssten. Ich habe mich genau an die Anleitung gehalten und bin mit dem Ergebnis super zufrieden. Wer es ebenfalls probieren möchte wird hier fündig:

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