Conan der Barbar

Conan der Barbar, Elladan, Arnold Schwarzenegger

Meine Liebe für Conan der Barbar ist etwas seltsam. Ich war nämlich schon 30 als ich mich in den Film verliebte. Das passiert heutzutage leider sonst nicht mehr so oft.

Arnie war einer meiner Kindheitshelden obwohl ich seine besten Filme natürlich nicht gesehen habe, bevor ich vielleicht 15 oder 16 Jahre alt war. Harmlosere Actionfilme oder gar die Komödien hatte ich früh gesehen, viele andere Filme kannte man, ohne sie überhaupt gesehen zu haben. Terminator und Predator konnte ich erst relativ spät selbst schauen, Total Recall habe ich sogar erst in meinen Zwanzigern genießen können. Trotzdem war Arnie natürlich einer der Größten meiner Generation. In den 90’ern führte an den Actionstars wie Stallone, Willis oder Chan einfach kein Weg vorbei – selbst wenn man ihre größten Filme noch nicht sehen durfte.

Der feine Pfad zwischen Kunst und Müll

Manchmal spricht Kunst zu Dir und Du kannst nicht erklären, was es ist, das Dich so fasziniert. Mit Sicherheit wird manchen Lesern jetzt die Kaffeetasse aus der Hand rutschen: Hat er gerade Conan als Kunst bezeichnet?

Gemach, Gemach. Ich könnte mich leicht auf die Position zurückziehen, dass Kunst ja immer subjektiv ist. Aber lass es mich bitte erklären. Als ich in der Phase war, alle Schwarzenegger-Streifen sehen zu wollen, ging es für mich vor allem um Terminator, Predator, True Lies und co. Über Conan wusste ich nichts und kannte auch niemanden, der ihn gesehen oder empfohlen hat. Er ging an mir vorbei und später hatte ich schlicht kein Interesse ihn nachzuholen, da ich Hercules in New York kannte und Conan als ähnlich trashig vermutete. Hier gibt’s nochmal den Trailer zu Arnies erster Hollywood-Glanzleistung. Wahrscheinlich sind alle Textparts von ihm bereits im Trailer. Viel mehr waren es nicht, da er grauenhaft Englisch sprach und man ihn so wenig wie möglich reden lassen wollte. Für tiefgreifende Dialoge war der Mister Universe freilich auch nicht gecastet worden:

Es war dann vor ein paar Jahren, als ich beim Bügeln Conan der Barbar auf dem Tablet entdeckte und endlich einmal reinschauen wollte. Man hält ja was auf seine Filmbildung und will offensichtliche Lücken schließen. Ich kam dann weniger zum Bügeln als geplant und war so weggeblasen, dass ich mir den Film wenige Tage später gleich ein zweites mal auf einem großen Fernseher anschaute.

Das Filmereignis

Für mich ist Conan der Barbar ein nach wie vor einzigartiger Film, der von einer ganz speziellen Mischung lebt. Hier sind Hauptdarsteller, jeder einzelne Nebendarsteller, Regisseur, Drehbuchautor, Komponist, Ausstatter, Kameramann allesamt Glücksgriffe. Es entsteht etwas Magisches, das für viele Menschen sicherlich trotz allem Trash ist. Für andere ist es schlicht genial. Zunächst einmal ist Arnold rein körperlich natürlich die perfekte Verkörperung des Romanhelden Conan. Man merkt ihm an, wie viel Bock er auf die Rolle hatte und dass er sie als seine ersehnte Chance zum Durchbruch begriff. Er spielt Conan ernst und humorvoll und überzeugt vollends – ein differenzierter Mime musste er ja auch gar nicht werden.

Über die Antagonisten wird anderer Stelle zu sprechen sein. Aber wie krass ist bitte James Earl Jones als Thulsa Doom? Und dann hat man den international bekannten Charakterdarsteller Max von Sydow in einer völlig unwichtigen Nebenrolle. Und besetzt die beiden Gefährten von Conan mit der Tänzerin Sandahl Bergman und dem Surfer Gerry Lopez. Klar, die beiden sollten in erster Linie körperliche Rollen spielen, weshalb ihre Sportlichkeit gefragt war. Dennoch wurde Bergman sogar für den Golden Globe als Beste Nachwuchsdarstellerin nominiert.

Dann das Drehbuch: Conan der Barbar erzählt eine Rachegeschichte, die ein episches Ausmaß hat, dabei aber keine Längen aufweist. Ganz im Sinne der Heldenreise wird die Suche Conans nach Rache und Erfüllung geschildert. So manche Schicksalsschläge muss er verkraften. Die Entwicklung ist stets nachvollziehbar und am Ende steht ein gereifter Charakter, der unnachgiebig sein Ziel verfolgt hat. Der Film steht gut für sich, wäre aber perfekt geeignet für eine Fortsetzung. Das Drehbuch profitierte allerdings auch von einer ganz besonderen Kombination:

Brillanz hinter der Kamera

Gedreht wurde der Film von John Milius. Das Drehbuch stammt von Milius und niemand geringerem als Oliver Stone. Zu den beiden politisch streitbaren Kreativen schien der Stoff gut zu passen und sie lieferten in der Tat ab: Milius ist bekannt als Autor griffiger, heroischer Sätze, die stets eine gewisse Männlichkeit transportieren. In den 70’er arbeitete er viel als Skript-Doktor um Drehbücher zu verbessern. So schrieb er etwa Dirty Harry den legendären “Punk”-Satz auf den Leib oder trug zu Der weiße Hai den ebenso legendären Monolog rund um das Sinken der USS Indianapolis bei. Auch der “Napalm am Morgen”-Satz aus Apokalypse Now stammt aus seiner Feder. Klar, der Mann ist geeignet für Conan:

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Milius inszenierte den Film zudem mit einem feinen Gespür für das Epische und Heroische und für den nötigen Raum dazwischen. Kernige Action und pathetische Dialoge wechseln sich ab mit tollen Landschaftsaufnahmen und kleineren, erzählenden Szenen.

Ein unverzichtbarer Bestandteil des Mythos ist für mich der traumhafte Soundtrack von Basil Poledouris. Poledouris hatte Milius schon an der Universität kennengelernt (wie übrigens auch z.B. George Lucas) und mit ihm an Tag der Entscheidung zusammengearbeitet. Seinen Durchbruch erreichte er mit dem Soundtrack zu Conan und das hat auf jeden Fall seine Berechtigung. Die Musik ist orchestral und episch und verleiht dem Film den Glanz eines Blockbusters. Manche der Themen sind mir spontan im Gehör und wirken für mich prägend auf den ganzen Film.

Nachwirkung

Man könnte noch vieles mehr über den Film schreiben. Es hat schlichtweg seinen Grund, warum er eine Welle von Barbarenfilmen lostrat – kein einziger erreichte allerdings auch nur ansatzweise dessen Klasse. Schmerzlich sind allerdings zwei Umstände:

  1. Die Fortsetzung Conan der Zerstörer (ebenfalls mit Arnie) ist eine einzige Katastrophe. Ich weiß, dass auch der Film seine Fans hat, aber ich behaupte, dass man den Film dann als singuläres Machwerk betrachten muss. Als Fortsetzung des Barbaren ist der Zerstörer einfach untragbar. Regie führte Richard Fleischer, das Skript schrieb Stanley Mann. Mindestens am Skript musste der Film leider scheitern. Der Score stammt erneut von Poledouris, doch auch dieser kann seine Klasse hier keinesfall erneut beweisen. Ein schwieriger Film, den ich nur einmal gesehen habe und gerne vergesse, wenn ich mir den Barbaren erneut ansehe.
  2. Von John Milius existiert sogar ein Drehbuch für einen dritten Conan-Film: König Conan. Dass es nie dazu kam liegt wohl daran, dass keiner der Beteiligten mehr einen dritten Film machen wollte. Schwarzenegger war sogar zu einem dritten Film verpflichtet, weshalb er gegen seinen Willen Red Sonja drehen musste. Einen weiteren Conan-Film aus der Feder von Milius würde ich noch lieber sehen als den Snyder-Cut von Justice League. So spielt leider das Leben.

Wer sich übrigens für Schwarzenegger und Anekdoten zu seinen Filmen interessiert, dem sei seine Autobiographie “Total Recall” (Werbelink) empfohlen. Besonders zu den beiden Conan-Filmen erzählt er viel Interessantes und Witziges rund um die Dreharbeiten und sein eigenes Training. Natürlich ist sein ganzes Leben von dem ersten Krafttraining in Österreich über die Bodybuilding-Karriere und sein Weg zum Filmstar ebenso enthalten wie seine Amtszeiten als Gouverneur von Californien. Als Arnie Fan hat mir das Buch sehr gut gefallen und einige neue Erkenntnisse gebracht. Laut Selbstdarstellung will Arnie von Beginn an hartnäckig das Ziel finanzieller Sicherheit verfolgt und dafür frühzeitig in Immobilien und Firmen investiert haben. Ich finde den Mann und seine Zielstrebigkeit faszinierend.

Die Miniaturen

Conan

Nachdem Conan der Barbar mein Herz eroberte, musste ich natürlich eine passende Miniatur haben. Es gibt viele Conan-Inkarnationen in Tabletop-Bereich, aber eine hat mich wirklich begeistert:

Die Figur stammt von von Elladan und wurde von Andy Peters modelliert. Ich glaube, Andy hat eines von Arnies Büchern über Bodybuilding gelesen bevor er das hier modelliert hat – der Muskeltonus ist einfach erstaunlich, ganz zu schweigen von dem exzellenten Gesicht, das Arnies charakteristisches Aussehen wirklich toll vermittelt. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht diese Figur zu bemalen und meinen eigenen Conan zum Leben zu erwecken.

Subotai

Die Freude war groß, als ich bei Rogue Miniatures Miniaturen von Subotai und Valeria fand. Beide wurden sofort bestellt und nach Eintreffen auch gleih bemalt. Subotai gefällt mir sehr gut, auch wenn die Figur muskulöser ist als er es war. Er sieht eher barbarisch wie Conan aus und nicht wie der wendige Dieb, der er im Film ist. Trotzdem gefällt er mir gut und ich finde, er ist auch gleich zu erkennen.

Update: Rogue Miniatures existieren nicht mehr. Die Figuren wurden zum Glück verkauft und sind nun über Caliver Books erhältlich.

Wusstest Du, dass Gerry Lopez in dem Film synchronisiert wurde, weil Regisseur John Milius mit seiner Stimme nicht zufrieden war? Lopez war ein professioneller Surfer und kein Schauspieler, er hatte keine Erfahrung im Umgang mit seiner Stimme. Wie gut, dass er sowieso nicht viel Text hatte!

Valeria

Valeria stammt ebenfalls von Rogue Miniatures. Sie gefällt mir nicht so gut wie Subotai, da ich ihre Gestaltung etwas grob finde. “Old School” trifft es vielleicht. Möglicherweise ist die Miniatur auch schon sehr alt, keine Ahnung. Mit dem (sehr) dicken Haar habe ich mich schwer getan. Ich dachte, es wäre noch einfacher zu bemalen, weil es nicht so filigran ist, aber das war irgendwie nicht der Fall. Schön finde ich allerdings die dynamische, kämpferische Pose!

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